Frank Knoche Bewerben

Unternehmen sind händeringend auf der Suche nach guten Bewerbern. Employer Branding steht hoch im Kurs. Unternehmen geben sich in viralen Kampagnen modern und innovativ. Doch wie sieht die Praxis aus, wenn ein Bewerber sich wirklich für ein Unternehmen interessiert und sich auf eine ausgeschriebene Position bewirbt? Wie nutzerorientiert sind Online-Bewerbungsprozesse in Zeiten der Digitalisierung? Gibt es die 1-Klick-Bewerbung wirklich? Dr. Frank Knoche hat es ausprobiert. Mit der fiktiven Identität Max Mustermann hat er sich bei vier verschiedenen Unternehmen beworben. Eine Momentaufnahme in vier Episoden.

Episode 4: Online-Bewerbung bei einem mittelständischen Unternehmen

Heute bewirbt sich unser Max Mustermann bei einem mittelständischen Unternehmen mit 500 Mitarbeitern. Gesucht wird ein „Interner Berater Digitalisierung (m/w)“:

Ich klicke auf „Jetzt bewerben“. Es öffnet sich eine neue Seite auf der ich Name, Adress-Daten und E-Mail eintrage. Anschließend lade ich Anschreiben und Lebenslauf in separaten Feldern hoch. Ich bestätige die Datenschutzerklärung, gebe ein Captcha ein und drücke auf „Senden“. Da war es schon? Ich bin ein wenig unsicher. Es dauert knapp 20 Sekunden bis die Nachricht

„Vielen Dank für Ihre Bewerbung“

auf meinem Bildschirm erscheint. Und parallel habe ich eine Eingangsbestätigung per E-Mail erhalten. Wow. Ich bin beeindruckt. Es hat keine 5 Minuten gedauert, um meine Bewerbung hochzuladen und abzuschicken. So macht Bewerben Spaß.

Gesamtfazit

Sieger unseres kleine Tests ist eindeutig das mittelständische Unternehmen. Ein sehr schlanker Prozess ohne Bürokratie. Da macht das Bewerben Spaß. Davon können sich alle anderen Testteilnehmer seine Scheibe abschneiden.

Auf Platz 2 der internationale Automobilzulieferer. Einige überflüssige Fragen, ansonsten aber auch hier ein relativ schlanker Prozess, der für den Bewerber komfortabel ist.

In weitem Abstand folgt auf Platz 3 der internationale Versicherungskonzern. Dieser Konzern darf sich nicht wundern, wenn er nur wenige Bewerbungen über sein Recruiting-Tool erhält. Gute Bewerber werden den sehr umständlichen Bewerbungsprozess mit extrem unfreundlichen Eingabeaufforderungen abbrechen.

Eindeutig letzter in unserem Test ist die internationale Unternehmensberatung, die auch in Digitalisierungsfragen berät. Hier war es trotz umfangreicher Bemühungen nicht möglich, überhaupt einen Nutzer im Recruiting-Tool anzulegen. Hier gilt das alte Sprichwort

“Der Schuster hat die schlechtesten Schuhe.”

Man kann nur hoffen, dass alle Berater dieses Consulting-Unternehmens in Digitalisierungsprojekten ihrer Kunden unterwegs sind und daher keine Zeit blieb, die eigenen Recruiting-Prozesse zu untersuchen und zu optimieren. Die Aufwendungen für teure Employer Branding-Maßnahmen kann sich diese Unternehmensberatung jedenfalls sparen. Zeit und Geld wären in der Neugestaltung des eigenen Recruiting-Tools besser investiert.

 

Alle vier Episoden zum Nachlesen:

Episode 1: Bewerbung bei einer internationalen Unternehmensberatung

Episode 2: Bewerbung bei einem internationalen Automobilzulieferer

Episode 3: Bewerbung bei einem internationalen Versicherungskonzern

Episode 4: Bewerbung im Mittelstand / Testfazit

 

Alle vier Tests habe ich im Juni 2018 unter realen Bedingungen durchgeführt. Sie spiegeln den Status Quo der Bewerbungsprozesse bei den vier Unternehmen zu diesem Zeitpunkt wieder.

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